Fiona, Liberianerin

Fiona ist auf komplizierten Weg mit der Familie Mayson verwand (die Schwester der Verlobten des ältesten Sohnes Tuan von Botschafter Dew Mayson für die ganz neugierigen). Sie hat die beiden Bürgerkriege, welche Liberia während der letzten fünfzehn Jahre heimgesucht haben, vor Ort miterlebt. Sie meinte, sie wollte nicht mit ihren Söhnen ins Ausland fliehen, wenn der Rest der Familie in Liberia sitzen würde. Sie erzählte mir davon, wie sie mit ihrer Familie während dem Krieg oft Sicherheit im Dickicht des Regenwaldes gefunden hat und daher viele Nächte im Sumpf verbringen musste. Sie dankt Gott dafür, dass sie jedoch während all dieser Zeit noch nie mit ansehen musste, wie jemand getötet wurde. Dennoch hat der Krieg sie einige Freunde und Familienmitglieder gekostet. Wie zum Beispiel den ältesten Bruder ihres Vaters. Dieser hatte vor vielen Jahren in der Armee Liberias gedient, hat diese jedoch vor lange Zeit verlassen und war seitdem im Krankenhaus tätig. Ihre Familie und der Bruder, welcher damals in der von der verhassten Regierung kontrollierten Hauptstadt Monrovia gelebt hat, wurden während des Krieges getrennt, denn die Familie wohnte außerhalb der Stadt und damit im Rebellengebiet. Dennoch setzte Fionas Onkel alles daran, mit seiner Frau und den Kindern zu den anderen zu gelangen. Kurz nachdem sie die Frontlinie überquert haben jedoch hat ein aufgebrachter Mob ihren Onkel als ehemaligen Soldaten der Armee identifiziert – wahrscheinlich an den Stiefeln, die er trug. Sie töteten ihn also vor den Augen seines damals zwei Jährigen Sohn, Fionas Cousin. Sie erzählt, wie er damals erst angefangen hat, die ersten Worte zu sagen. Seit diesem Moment jedoch wäre er für immer verstummt außer den wenigen Malen, an denen ein leise „Papa“ aus ihm dringen konnte. Weder er, noch Fionas Großmutter sind jemals über diesen Verlust hinweggekommen.

Den nächsten Krieg, so sagte Fiona, wird sie nichtmehr miterleben, denn dann würde sie endgültig nach Sierra Leone fliehen.

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